Die efa in Südwestfalen:
Interview mit Markus Schumacher und Ekkehard Wiechel
Zwischen Regulatorik, einer stabilen industriellen Basis und der voranschreitenden Transformation: Auch in Südwestfalen setzen immer mehr Unternehmen auf die Circular Economy. Seit 2002 unterstützt die efa Unternehmen aus Hagen, den Kreisen Olpe, Siegen-Wittgenstein und Soest sowie dem Hochsauerlandkreis und dem Märkischen Kreis direkt vor Ort bei Fragen rund um die Themen Ressourcenschonung und zirkuläres Wirtschaften. Wir haben mit den Beratern und Projektkoordinatoren für die Region Südwestfalen Markus Schumacher und Ekkehard Wiechel über konkrete Erfolge und Chancen aber auch Herausforderungen in der Region gesprochen.
Die einzelnen Regionen Nordrhein-Westfalens unterscheiden sich teilweise stark in ihren wirtschaftlichen Schwerpunkten. Welche Branchen sind besonders stark in der Region Südwestfalen vertreten?
Markus: „Südwestfalen ist eine der stärksten Industrieregionen Deutschlands und führend in Nordrhein-Westfalen; viele der mittelständischen Unternehmen in Südwestfalen sind außerdem in ihrer Branche Weltmarktführer. Einen großen Teil der Betriebe machen die metallverarbeitende Industrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau hinzukommen die Automobilzuliefererindustrie, die Elektroindustrie sowie die Kunststoffverarbeitung.“
Ekkehard: „Wichtig sind daneben die Gebäudetechnik, Holz- und Forstwirtschaft und der wachsende Dienstleistungssektor. Während im produzierenden Gewerbe die Beschäftigtenzahlen zuletzt leicht zurückgegangen sind, gewinnen das Gesundheits- und Sozialwesen und der Handel an Beschäftigten. Insgesamt liegen die Branchen aber noch immer unter dem Landesdurchschnitt.“
Die efa ist immer nah an den Unternehmen dran. Welchen Herausforderungen müssen sich die Betriebe in der Region aktuell stellen und wie unterstützt die efa dabei?
| Markus: | „Die anhaltende Struktur- und Konjunkturkrise macht sich in Südwestfalen vor allem im Beschäftigungsrückgang im produzierenden Gewerbe bemerkbar. Wenngleich die Arbeitslosenquote unter dem Landesdurchschnitt liegt, verschärfen der demografische Wandel und der Wandel der Wirtschaftsstruktur den Fachkräftemangel weiter. Für viele kleine und mittlere Unternehmen kommen außerdem Herausforderungen wie Digitalisierung und ein zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck hinzu." | |||||||||
| Ekkehard: | „Genau hier setzt die efa an: Wir stehen in engem Austausch mit den Unternehmen der Region, identifizieren Bedarfe frühzeitig und entwickeln passgenaue Angebote. Unser Ziel ist es, die Unternehmen dabei zu unterstützen, die aktuellen Veränderungen erfolgreich zu gestalten und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sicher." | |||||||||
| Markus: | „Wir unterstützen Unternehmen von der ersten Idee bis zur Umsetzung, ein wichtiger Pfeiler ist dabei die regelmäßig stattfindende CIRCO-Workshopreihe, in der sich alles um die Entwicklung zirkulärer Produkte und Geschäftsmodelle dreht. Das Besondere: Am Ende haben alle Teilnehmenden einen Maßnahmenplan, mit dem sie in die Umsetzung starten können. Während es in der Beratung Ressourcenschonung darum geht, Potenziale zur Reduktion von Material- und Energieverbräuchen zu identifizieren und Prozesse effizienter zu gestalten, stehen Förderprogramme und Fördermittelanträge im Mittelpunkt der Beratung Finanzierung." | |||||||||
Welche Vorteile bringt die Region mit, von denen Unternehmen auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft profitieren?
Ekkehard: „Einer der größten Vorteile ergibt sich aus den hohen Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung in Verbindung mit der starken industriellen Basis: Durch die enge Vernetzung zwischen den regional ansässigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft können Unternehmen einfacher Kooperationen aufbauen, ihr Wissen untereinander teilen und umfassende Lösungen im Sinne der Kreislaufwirtschaft finden. Dazu trägt maßgeblich die Kooperation der efa mit dem Tarifverbund Südwestfalen bei, der Aufgabenstellungen aus Unternehmen an die Hochschulen transferiert und so die Entwicklung erfolgreicher Partnerschaften unterstützt. Die besten Chancen Umweltauswirkungen von Produkten zu minimieren, liegen aber eindeutig in der Erforschung und Entwicklung von vollumfänglich zirkulären Prozessen und Produkten, denn 80% der Umweltauswirkungen entstehen in der Phase der Produktentwicklung. Wer möglichst früh ansetzt, kann umfassende Lösungen finden.“
Markus: „Außerdem ist auch die hohe Dichte an mittelständischen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen vorteilhaft für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. So entstehen vielfältige Möglichkeiten für die Zusammenarbeit, bei denen Reststoffe oder Nebenprodukte eines Unternehmens als Ressourcen für andere genutzt werden. Mit der Unterstützung durch regionale Innovations- und Förderangebote können KMU neue Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft schneller erproben und umsetzen; viele Unternehmen haben aufgrund ihrer langen Geschichte zudem bereits Erfahrung mit Transformation gemacht und bringen wichtiges Know-How mit.“
Was brauchen die Unternehmen in Südwestfalen darüber hinaus, um die Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben zu können?
Markus: „Wir sehen immer wieder, dass vor allem praktisches Wissen und praxisnahe Angebote Unternehmen voranbringen: Sei es Unterstützung bei der THG-Bilanz von Produkten, Prozessen und Unternehmen mit dem Ziel, Circular Design zu intensivieren und Potenziale für Ressourcenschonung zu identifizieren oder bei der Beantragung von Fördermitteln. Regionale Leuchtturmprojekte machen die Circular Economy konkret greifbar; dazu gehört insbesondere die Green Factory. Als Innovations- und Forschungsstandort für zirkuläre Prozesse und Produkte gibt das Projekt Unternehmen einen Raum zum Testen technologischer Neuerungen und festigt den Wissenstransfer und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in der Region.“
Ekkehard: „Neben finanziellen und fachlichen Angebote brauchen Betriebe aktuell verlässliche Rahmenbedingungen und klare Vorgaben seitens der Politik. Damit verbunden ist auch eine gewisse Planungssicherheit: Bewege ich mich mit meinem Unternehmen in die richtige Richtung? Wo muss ich ansetzen, um die Ziele zu erreichen? Oder auch: Wo fange ich überhaupt an? Eine solche Sicherheit erreichen wir nur mit unbürokratischen Lösungen, zum Beispiel in der finanziellen Förderung für ressourcenschonende Technologien.“
Wie können KMU von einer zirkulären Wirtschaftsweise profitieren und warum sollten Unternehmen gerade jetzt damit anfangen?
Markus: „Je früher jemand beginnt in geschlossenen Kreisläufen zu wirtschaften, desto besser, weil die Reduktion von Energie- und Materialverbräuchen eben auch immer geringere Kosten fürs Unternehmen nach sich ziehen. Wer Rohstoffe im Kreislauf hält, reduziert nicht nur seine Materialkosten, sondern insbesondere die Abhängigkeit vom internationalen Markt und von Lieferketten. Gerade für rohstoffintensive Branchen, darunter eben auch die metallverarbeitende Industrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau, ergeben sich große wirtschaftliche Vorteile durch den niedrigeren Bedarf an neuen Primärrohstoffen. Potenziale liegen zum Beispiel in Leasingangeboten für Industriemaschinen, die in der Produktionskette lediglich zeitweise benötigt werden oder in Rückholsystemen für die eigenen Produkte nach Ablauf der Nutzungsphase.“
Ekkehard: „Gleichzeitig kommt von Seiten der Kund:innen zunehmend der Wunsch nach nachhaltigeren Alternativen, und wer zuerst neue Lösungen bieten kann, verschafft sich bedeutende Wettbewerbsvorteile. Sie sind den Zielvorgaben des Landes voraus und können mit den nachhaltigen Entwicklungen auf dem internationalen Markt mithalten. Heißt: Der Weg zu mehr wirtschaftlicher Stabilität und gesteigerten Umsätzen führt direkt in die Circular Economy.“
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