Die efa im Ruhrgebiet: Interview mit Ilona Dierschke
Seit 1998 unterstützt die efa Unternehmen im Großraum Ruhrgebiet aus den Kreisen Recklinghausen und Unna sowie u.a. den Städten Bochum, Essen, Dortmund und Hamm direkt vor Ort bei Fragen rund um die Themen Ressourcenschonung und zirkuläres Wirtschaften. Wir haben mit Ilona Dierschke, Projektkoordinatorin und Beraterin für die Region Ruhrgebiet, über konkrete Erfolge und Chancen aber auch Herausforderungen in der Region gesprochen.
Die einzelnen Regionen Nordrhein-Westfalens unterscheiden sich teilweise stark in ihren wirtschaftlichen Schwerpunkten. Welche Branchen sind besonders stark im Ruhrgebiet vertreten?
„Das Ruhrgebiet hat sich mittlerweile zu einem vielfältigen Wirtschaftsstandort gewandelt; heute ist die Wirtschaftsstruktur durch einen Mix aus Industrie, Dienstleistungen und Zukunftstechnologien geprägt. Der Dienstleistungssektor ist stark gewachsen, insbesondere unternehmensnahe Dienstleistungen, IT und die Kreativwirtschaft.
Durch die zentrale Lage und die hervorragende Infrastruktur durch Wasserstraßen, Autobahnen und das Schienennetz ist das Ruhrgebiet ein zentraler Logistikknotenpunkt, an dem mit dem duisport Europas größter Binnenhafen liegt. Aber auch andere Branchen profitieren von der engen regionalen Verflochtenheit des Ruhrgebiets. So ist das Ruhrgebiet ein bedeutender Standort für den Handel, mit Wurzeln großer, bekannter Handelsunternehmen. Außerdem verfügt die Region über eine der höchsten Dichten an Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und Gesundheitunternehmen in Europa; Bildung und Forschung werden durch eine hohe Dichte an Universitäten und Fachhochschulen vorangetrieben und machen die Region zu einem Zentrum für Innovationen.
Insbesondere im nördlichen Ruhrgebiet dominieren hingegen die Chemie- und Petrochemieindustrie sowie die Glaserzeugung. Und auch der Maschinen- und Fahrzeugbau sind als industrieller Kern weiterhin präsent, hat sich aber modernisiert und spezialisiert. Grundsätzlich setzt das Ruhrgebiet heute stark auf grüne Technologien, Energiewende und regenerative Energien und profiliert sich als Vorreiter im Bereich ‚Greentech‘, Energie und Umwelt.“
Welchen wirtschaftlichen Herausforderungen müssen sich Unternehmen in der Region aktuell stellen?
„Die Wirtschaft im Ruhrgebiet steht, wie auch in den anderen NRW-Regionen, vor teils immensen Herausforderungen, geprägt durch einen schleppenden Strukturwandel, hohe Arbeitslosigkeit und eine angespannte Konjunktur. Belastend wirken u. a. die Bürokratie, eine marode Infrastruktur, Fachkräftemangel, hohe Energiekosten und geopolitische Unsicherheiten, was häufig zu geringen Investitionsplanungen führt.
Dennoch zieht das Ruhrgebiet einen entscheidenden Vorteil aus dem ehemaligen Fokus der Region auf die Montanindustrie. So führte dieser zu einer früheren Umstellung des Arbeitsmarktes weg vom produzierenden Gewerbe hin zu einem Dienstleistungszentrum als in den übrigen Regionen Nordrhein-Westfalens. Heute ist die Metropolregion eine gewachsene Struktur, die geprägt ist von einer engen Kooperationslandschaft, die Städte, Unternehmen und Forschung zusammenrbringt.“
Der anhaltende Strukturwandel bringt neben den Herausforderungen auch Chancen mit sich, zum Beispiel in Form neuer innovativer Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle. Wo können KMU konkret an bisherige Entwicklungen ansetzen?
„KMU können frühzeitig neue Geschäftsideen aufgreifen, etwa As-A-Service-Modelle oder zirkuläre Wertschöpfungskonzepte, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern. Unterstützend wirken regionale Programme wie Angebote zur Qualifizierung von Auszubildenden als Circularity Scouts in Fokusthemen wie zum Beispiel zirkuläre Produktgestaltung und Treibhausgasbilanzierung von Produkten, also dem PCF. Insgesamt gilt: Wer jetzt in neue Ideen, Kompetenzen und Märkte investiert, kann sich frühzeitig Vorteile sichern und den Strukturwandel nicht nur bewältigen, sondern aktiv mitgestalten. Der Einstieg muss dabei nicht groß angelegt sein – häufig führen eben solche regionale Projekte oder Kooperationen schrittweise an neue Geschäftsfelder heran, ganz nach dem Prinzip, dass jeder Anfang klein ist.”
Das Ruhrgebiet ist auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Produktions- und Dienstleistungsregion. Welche konkreten Angebote der efa nutzen Unternehmen, um sich zukunftsfähig aufzustellen?
„Die Unternehmen in der Metropolregion nutzen die gesamte Angebotspalette der efa, angefangen bei Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Zukunftsthemen über Netzwerke bis hin zur einzelbetrieblichen Beratung. Mit den Workshops zu unterschiedlichen Themen rund um die Ressourcenschonung und Circular Economy sorgt die efa dafür, dass Unternehmen stets über zukunftsweisende Entwicklungen informiert sind. Die vielfältigen Netzwerke, die wir mit unseren Multiplikatoren, den Kammern und Wirtschaftsförderungen, zielen auf den kontinuierlichen und praxisnahen Austausch zwischen einer Vielzahl an Akteur:innen ab.
Und in der einzelbetrieblichen Beratung unterstützen die efa-Expertinnen und Experten Unternehmen vor allem dabei, gemeinsam einen realistischen Fahrplan aufzustellen, neue Ideen zu generieren und die Maßnahmen auch tatsächlich umzusetzen, u. a. durch die Recherche und Begleitung hinsichtlich geeigneter Förderprogramme. Kein Thema kommt dabei zu kurz und keine Maßnahme ist zu klein. Mit unserer Expertise erarbeiten wir im Rahmen von Strategie-Workshops oder einzelbetrieblichen Beratungsprojekten Lösungen, die Unternehmen dabei unterstützen, sich im Sinne einer „Nachhaltigkeits-Roadmap“ auf den Weg zu machen, um ihre Ressourcen zukünftig effizienter zu nutzen und nachhaltiger zu wirtschaften. Im Kopf immer die Frage: Wo steht mein Unternehmen in 10 Jahren?“
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