Die efa in Ostwestfalen-Lippe:
Interview mit Gabriele Paßgang und Anja Vogel

Der Wandel weg von einer linearen Wirtschaftsweise hin zu einer Circular Economy ist in der efa-Region Ostwestfalen-Lippe bereits in vollem Gange: Zukunftsthemen wie Industrie 4.0, nachhaltige Investitionen und Green Technologie rücken zunehmend in den Fokus von Wirtschaft und Wissenschaft. Seit 2002 unterstützt die efa Unternehmen aus Bielefeld und den Kreisen Gütersloh, Herford, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn direkt vor Ort bei Fragen rund um die Themen Ressourcenschonung und zirkuläres Wirtschaften. Wir haben mit Gabriele Paßgangund Anja Vogel, Beraterinnen und Projektkoordinatorinnen für die Region Ostwestfalen-Lippe, über konkrete Erfolge und Chancen aber auch Herausforderungen in der Region gesprochen.

Zwei Frauen stehen nebeneinander vor einem einfarbigen Hintergrund. Die Frau links trägt eine Brille und hat schulterlange Haare. Sie trägt ein Polka-Dot-Oberteil und einen Blazer. Die Frau rechts hat glattes, mittellanges Haar und trägt eine Hemdbluse. Beide lächeln freundlich in die Kamera.
Team Ostwestfalen-Lippe: Gabriele Paßgang und Anja Vogel | Beratung & Projektkoordination

Die einzelnen Regionen Nordrhein-Westfalens unterscheiden sich teilweise stark in ihren wirtschaftlichen Schwerpunkten. Welche Branchen sind besonders stark in der Region Ostwetsfalen-Lippe vertreten?

Gabriele: „OWL ist für mich vor allem eines: vielseitig und industriestark. Die Region überzeugt besonders in Möbelindustrie, Lebensmittelindustrie, Maschinenbau und Metallverarbeitung. Über die Hälfte aller Möbelbetriebe NRWs sitzt hier, und Kreise wie Gütersloh oder Herford zählen zu echten Industriemotoren.“

Anja: „Wichtig ist aber auch: OWL ist wirtschaftlich extrem divers aufgestellt. Während Bielefeld eher als Dienstleistungszentrum gilt, prägen im Kreis Höxter z. B. Land- und Forstwirtschaft stark die Wirtschaft. Andere Kreise wie Lippe, Minden-Lübbecke oder Paderborn haben wiederum andere industrielle Schwerpunkte.“

Wichtiger Innovationsmotor ist die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Wie unterstützt die efa vor Ort konkret dabei, Netzwerke und Partnerschaften auszubauen und zu stärken?

Gabriele: „In OWL leben wir Vernetzung, das ist unser Alltag. Wir erleben täglich, wie wichtig gute Vernetzung für eine erfolgreiche Transformation ist. Deshalb setzen wir genau dort an und bringen Menschen zusammen, die etwas verändern wollen: Unternehmen, Berater und Beraterinnen, regionale Partner:innen und Hochschulen.“

Anja: „Gleichzeitig greifen wir neue Themen wie Circular Economy, biobasierte Technologien oder Industrie 4.0 auf und verbinden sie mit konkreten Unternehmensbedarfen. Kurz gesagt: Wir vernetzen, moderieren und übersetzen Innovation in Praxis, damit OWL weiterhin eine starke, nachhaltige Wirtschaftsregion bleibt.“

  • Circular Economy

    Um ressourcenschonender zu wirtschaften, müssen wir zukünftig mehr in ganzheitlichen Kreisläufen denken. Das Konzept der Circular Economy nimmt genau diesen Gedanken auf, indem vom Produkt ausgehend auf den Nutzungskreislauf geschaut wird. Entdecken Sie gemeinsam mit uns die Potenziale einer Circular Economy!

    Eine stilisierte Darstellung der Erde mit einem Blatt und Zahnrädern symbolisiert die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Technologie. Das Blatt steht für Umweltbewusstsein, während die Zahnräder den technischen Fortschritt darstellen.

Ein besonderes Angebot in der Region ist das Beraternetzwerk OWL, das seit 2013 Berater:innen vor Ort informiert, unterstützt und für den produktiven Austausch zusammenbringt. Wie passt das in diese Art der Zusammenarbeit hinein?

Gabriele: „Das Beraternetzwerk OWL ist für uns wie ein Verstärker. Alles, was wir an neuen Themen, Impulsen und Formaten entwickeln, landet direkt bei Menschen, die damit in Unternehmen gehen und Wirkung erzeugen können. Die Berater:innen bringen eigene Stärken und Spezialisierungen mit, und genau diese Vielfalt macht das Netzwerk so wertvoll. Durch unsere Treffen, Workshops und Themeneinheiten lernen sie nicht nur Neues, sondern auch voneinander.“

Anja: „Viele sagen nach unseren Treffen, dass sie gleichzeitig ein neues Thema mitgenommen und direkt jemanden kennengelernt haben, der darin schon richtig gut ist. Wir schaffen Räume für diesen Austausch, geben neue Themen hinein und sorgen dafür, dass aus Kontakten echte Kooperationen werden. So wächst das Beraternetzwerk OWL in Wissen, Vielfalt und im Miteinander kontinuiertlich weiter.“

  • Kooperation & Sparring: Gemeinsam vorangehen

    Wissen multiplizieren, Wirkung erzielen und nachhaltige Innovationen voranbringen: Wir unterstützen branchenübergreifend Institutionen dabei die Zukunft nachhaltig und ressourcenschonend mitzugestalten. Werden Sie Teil eines Netzwerks, das für den produktiven Austausch steht und von dem alle Beteiligten profitieren.

Die Sparkassen bieten Unternehmen mit der Plattform eRNa niedrigschwellige Unterstützung bei der nachhaltigen Transformation. Nun soll die Plattform auch in der efa-Region Ostwestfalen-Lippe zur Verfügung gestellt werden. Wie sieht das Projekt aus und welche konkreten Vorteile bietet es den Unternehmen vor Ort?

Anja: „Die Plattform eRNa ist ein Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Sparkasse Bielefeld und hilft Unternehmen dabei, ihren Weg in Richtung ESG, Klimaschutz und nachhaltige Transformation klarer zu strukturieren. Sie bietet einen gut verständlichen Einstieg von den Grundlagen über den ESGStatus bis hin zu Strategie und konkreten Lösungen.
Als Teil des regionalen Sparkassen-Netzwerks bringt auch die efa ihre Expertise zu Ressourceneffizienz, Finanzierungsfragen und nachhaltigen Unternehmensstrategien ein. Unternehmen erhalten über die Plattform nicht nur Wissen, sondern auch direkten Zugang zu regionalen Partner:innen, die sie praktisch unterstützen. Wir zeigen den Unternehmen, wie sie in ressourceneffiziente Technologien investieren können und unterstützen bei der Suche nach Fördermitteln und passenden Finanzierungskonzepten, die nachhaltige Investitionen erleichtern.“

Welche zukunftsweisenden Projekte gibt es noch in der Region?

Anja:„In OWL tut sich gerade richtig viel, wobei vor allem drei Projekte der nachhaltigen Transformation ordentlich Schwung geben: Green.OWL, CirQuality OWl plus und CE:Fire. Und die efa ist mittendrin und gestaltet sie aktiv mit. Ziel der Projekte ist es, die Wirtschaft in OWL  Schritt für Schritt nachhaltiger machen soll, von der Energieeffizienz über die Kreislaufwirtschaft bis hin zu moderner Mobilität und klimafreundlichen Gebäuden."
Gabriele:„So setzt Green.OWL statt auf theoretische Konzepte auf praktische Unterstützung, während für CirQuality OWL plus Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und weitere Partner:innen zusammenarbeiten, um Rohstoffe im Kreislauf zu halten, CO₂neutrale Prozesse zu entwickeln und regionale Recyclingstrukturen aufzubauen. CE:fire konzentriert sich ergänzend dazu darauf, Unternehmen fit für die Circular Economy zu machen und die dafür nötigen Strukturen aufzubauen. Der Fokus liegt darauf, praktische Lösungen zu erarbeiten und zirkuläre Ansätze dauerhaft im Unternehmen zu verankern. Wir unterstützen Unternehmen dabei, Maßnahmen technisch, organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll auszurichten und sie bei der Umsetzung begleiten."
Anja: „Alle drei Projekte schaffen einen enormen Schub für die nachhaltige Transformation der regionalen Wirtschaft, und die efa sorgt mit dafür, dass daraus greifbare Ergebnisse in den Unternehmen entstehen. Die Projekte liefern Visionen und Netzwerk, wir liefern die Expertise und begleiten die Umsetzung. Dadurch wird OWL klimafreundlicher, wettbewerbsfähiger und nachhaltiger aufgestellt."
           

Welchen wirtschaftlichen Herausforderungen müssen sich die Unternehmen in der Region aktuell stellen und wie unterstützt die efa dabei?

Anja:„Trotz der traditionell starken Wirtschaft in OWL spüren viele Unternehmen gerade eine ganze Reihe von Herausforderungen. Dazu gehören hohe Energie- und Rohstoffkosten, die besonders energieintensive Branchen belasten. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an Fachkräften. Dazu kommen Unsicherheiten durch politische Rahmenbedingungen, steigende Bürokratie und eine gewisse Investitionszurückhaltung.“
Gabriele:„Dennoch erleben wir: Die Unternehmen in OWL packen an. Wir unterstützen die Betriebe dabei, aus diesen Herausforderungen echte Chancen zu machen. Wenn es um Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Circular Economy oder nachhaltige Geschäftsmodelle geht, übersetzen wir komplexe Inhalte so, dass Unternehmen verstehen, was auf sie zukommt und direkt wissen: Wo fange ich an und was ist mein nächster Schritt?“
Anja: „Unterm Strich versuchen wir, die Unternehmen durch die aktuelle Lage zu begleiten und ihnen Mut zu machen. Transformation muss keine Bürde sein, sondern kann auch ein echter Wettbewerbsvorteil werden.“
           

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