Die efa im Münsterland:
Interview mit Eckart Grundmann
und Birgitt Helms
Im Münsterland werden Unternehmen aktiv: Der starke Mittelstand, die Vielzahl an Hidden Champions und die ausgebaute Kooperationslandschaft treiben die nachhaltige Wirtschaft in der Region voran. Seit 2002 unterstützt die efa Unternehmen aus der Stadt Münster und den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf direkt vor Ort bei Fragen rund um die Themen Ressourcenschonung und zirkuläres Wirtschaften. Wir haben mit Eckart Grundmann und Birgitt Helms, Projektkoordinator:innen und Berater:innen der efa für die Region Münsterland, über konkrete Erfolge und Chancen aber auch Herausforderungen in der Region gesprochen.
Die einzelnen Regionen Nordrhein-Westfalens unterscheiden sich teilweise stark in ihren wirtschaftlichen Schwerpunkten. Welche Branchen sind besonders stark im Münsterland vertreten?
Birgitt: „Die wirtschaftliche Struktur im Münsterland wird vor allem durch das produzierende Gewerbe, die Land- und Forstwirtschaft und das Gesundheits- und Sozialwesen geprägt, wobei der Fokus in der dienstleistungsorientierten Universitätsstadt Münster insbesondere auf dem Finanz-, IT- und Mediensektor liegt. Während ehemals die Agrar- und Textilwirtschaft dominierten, befindet sich die Region heute im anhaltenden Strukturwandel, und gerade der dynamische Mittelstand trägt das Wachstum der Region. Viele der oft familiengeführten Traditionsunternehmen haben gute Ideen, z. B. in den Bereichen Digitalisierung, erneuerbare Energien oder innovative Werkstoffe."
Gibt es weitere Faktoren, die das Münsterland von anderen Regionen unterscheiden?
Eckart: „Die Randlage des westlichen Münsterlandes mit der Landesgrenze zu den Niederlanden mag in der Vergangenheit durchaus hemmend für die wirtschaftliche Prosperität der Region gewesen sein. Doch spätestens mit Gründung der Euregio in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde aus dieser Grenzlage ein Gunstfaktor. Mittlerweile profitieren auf deutscher Seite die Münsterländer Unternehmen erheblich vom grenzüberschreitenden Wissens- und Erfahrungsaustausch. Insbesondere die Bauwirtschaft kann sich vom Vorsprung der Niederländer in Sachen Zirkularität eine ganze Menge abgucken. Dies kann man bei vielen aktuellen Förderprojekten, wie etwa „Two4C“, erleben. Die Handwerkskammer Münster ist hier Leadpartner und kann sich der Unterstützung der efa als Fachpartnerin sicher sein, die hier ihre Expertise sowohl im Projektbeirat als auch bei der Durchführung von CIRCO-Tracks einbringt.“
Im Münsterland sind viele Hidden Champions angesiedelt. Wie schaffes es die Unternehmen im Münsterland ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und gleichzeitig regulatorische Anfoderungen zu erfüllen? Welche Vorteile ergeben sich daraus auf dem internationalen Markt?
Birgitt: „Hidden Champions sind für die Exportstärke und Innovationskraft des Münsterlandes nicht zu unterschätzen: Sie weisen eine höhere Patentdichte auf als Großunternehmen, schaffen Arbeitsplätze und besetzen eine Branchennische, in der sie auch auf dem Weltmarkt führend sind. Viele dieser Betriebe stehen mit den zunehmenden Regularien seitens der Politik vor Herausforderungen, die neuer Lösungen bedürfen. In der Erfüllung der Anforderungen liegt bereits die erste Chance für Unternehmen, sich auf dem Markt hervorzuheben. Sie bieten ihren Kunden und Kundinnen bspw. nachhaltige Alternativen. Diese sparen Rohstoffe und Kosten und können dann womöglich noch von Förderprogrammen speziell für nachhaltige Projekte profitieren.
Und mit zunehmender Zirkularität der Wirtschaft steigt auch ihre Resilienz: Unternehmen, die schon jetzt in geschlossenen Kreisläufen produzieren, sind weniger abhängig von kritischen Rohstoffen und Schwankungen in Lieferketten. Gleichzeitig verbessern sie ihr Markenimage, indem sie umweltschonende Alternativen zu linearen Produkten anbieten.“
Vor allem die eng vernetzte Kooperationslandschaft der Region treibt Innovationen voran und bringt die nachhaltige Transformation der Wirtschaft auch in Nischen voran. Welche Rolle spielt die efa in diesem Netz aus Wirtschaft und Wissenschaft?
Eckart: „Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, wie wichtig regionale Partnerschaften und Netzwerke tatsächlich sind. Im Münsterland treffen wir in dieser Hinsicht auf eine gute Grundlage, auf der wir mit unseren Angeboten aufbauen können. Denn neben unseren landesweiten Beratungsangeboten zur Ressourcenschonung und Finanzierung sowie Schulungen und Infoveranstaltungen gibt es im Münsterland spezielle regionale Formate.“
Ein besonderes Angebot in der Region ist das Beraternetzwerk Münsterland, das Berater:innen vor Ort informiert, unterstützt und für den produktiven Austausch zusammenbringt. Wie passt das in diese Art der Zusammenarbeit hinein?
Eckart: „Bereits seit vielen Jahren bieten unsere Netzwerke Beratenden einen Raum, in dem sie Fragestellungen gemeinsam angehen, Lösungen entwickeln und Erfahrungen miteinander teilen. Diese Treffen leben von der Offenheit der Teilnehmenden: Hier bekommen sie Antworten, die sofort weiterhelfen. Das schafft Vertrauen und Motivation und neue Blickwinkel, die ohne den Austausch nicht möglich gewesen wären. Es geht uns stets darum, viele unterschiedliche Impulse zu setzen, um neue Ideen zur Ressourcenschonung zu entwickeln.“
Welche weiteren Veranstaltungen haben einen ähnlich starken Netzwerkcharakter?
Birgitt: „Das Effizienz Forum Wirtschaft ist ein Netzwerkformat par excellence. Es bietet der regionalen Wirtschaft eine Plattform, sich über Potenziale, Lösungsansätze und Herangehensweisen zu informieren. Und zugleich wird das Präsentierte hinterfragt, zur Diskussion gestellt. Denn nur die Spiegelung von neuen Herangehensweisen mit den Anforderungen der Praxis führen zu neuen Wegen, die von den Unternehmen ausprobiert werden können. Die Bandbreite der inhaltlichen Impulse ist bei diesem Ganztagsformat hoch. Für jeden Besucher ist etwas dabei.
Mit dem Effizienz Forum Wirtschaft bieten sechzehn Partner:innen und die efa produzierenden Unternehmen und Dienstleistenden zudem die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen in den Themenfeldern Ressourcenschonung und Circular Economy zu informieren, miteinander ins Gespräch zu kommen und ihr Netzwerk zu erweitern. Unterstützungsangebote vor Ort helfen den Unternehmen, tatsächlich ins Handeln zu kommen.“
Eckart: „Im Münsterland besteht also eine gute Basis, auf der die efa mit ihren Angeboten aufbauen kann, zum Beispiel mit der regelmäßig stattfindende Veranstaltungsreihe ‚Kostensenkung durch Ressourceneffizienz‘. Unternehmen aus dem Münsterland zeigen hier ihre erfolgreichen Projekte rund um die Ressourcenschonung und eröffnen damit einen Raum für den Austausch rund um Handlungsbedarfe, Schwierigkeiten und Lösungen.“
Welchen wirtschaftlichen Herausforderungen müssen sich die Unternehmen in der Region aktuell stellen und wie unterstützt die efa dabei?
Eckart: „Auch im Münsterland steht die Wirtschaft vor einer Reihe von Herausforderungen, derer sich die Betriebe annehmen müssen. Das sind zum Beispiel der Fachkräftemangel und bürokratische Hürden, die immer weiter zunehmen, aber auch gestiegene Betriebskosten und Lieferengpässe. Die zunehmende Ausrichtung vieler Unternehmen an internationalen Märkten erhöht zudem den Einfluss globaler Marktunsicherheiten auf die Wirtschaft im Münsterland; gleichzeitig gehen jedoch viele Unternehmen Herausforderungen in Bezug auf Digitalisierung, neue Geschäftsfelder und ressourcenschonendes Wirtschaften bereits an. Dabei stellen wir vermehrt einen Fokus auf bestimmte Querschnittsthemen fest, darunter die Sicherung des Fachkräftenachwuchses, die Förderung von Innovationen und der Ausbau von Netzwerken und Kooperationen."
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