Die efa im Bergischen Land:
Interview mit Matthias Graf

Ressourcenschonung, Wiederverwertung und nachhaltiges Wirtschaften: Das Bergische Land ist eine der führenden Regionen NRWs, wenn es um Ressourceneffizienz 4.0 geht. Seit 2008 unterstützt die efa Unternehmen aus den Städten Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie dem Ennepe-Ruhr-Kreis und dem Kreis Mettmann direkt vor Ort bei Fragen rund um die Themen Ressourcenschonung und zirkuläres Wirtschaften. Wir haben mit Matthias Graf, stellvertretender Leiter Beratung Ressourcenschonung der efa und zuständig für die Region Bergisches Land, über konkrete Erfolge und Chancen aber auch Herausforderungen in der Region gesprochen.

Matthias Graf, stellv. Leiter Beratung Ressourcenschonung | Region Bergisches Land
Matthias Graf, stellv. Leiter Beratung Ressourcenschonung | Region Bergisches Land

Die einzelnen Regionen Nordrhein-Westfalens unterscheiden sich teilweise stark in ihren wirtschaftlichen Schwerpunkten. Welche Branchen sind besonders stark im Bergischen Land vertreten?

„Die Region hat eine lange industrielle Tradition, und bis heute macht das metallverarbeitende Gewerbe einen wichtigen Teil der wirtschaftlichen Struktur im Bergischen Land aus. Während die „Klingenstadt“ Solingen der führende Standort für Schneidwaren in Deutschland ist, bildet in Remscheid und Wuppertal der Maschinenbau einen starken Industriezweig. Hinzu kommen rund ein Drittel der Automobilzulieferer Nordrhein-Westfalens, die im Bergische Städtedreieck ansässig sind, sowie die Werkzeugindustrie in Remscheid und die Gummi-, Chemie- und Elektroindustrie in Wuppertal.“

Die efa ist immer nah an den Unternehmen dran. Welchen wirtschaftlichen Herausforderungen müssen sich die Betriebe in der Region aktuell stellen?

„Das Bergische Land steht genauso vor Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel oder gestiegenen Energie- und Betriebskosten wie der Rest des Landes. Gleichzeitig handelt es sich im Fall der Metallverarbeitung um eine ressourcen- und energieintensive Branche, insbesondere im Bereich der Primärproduktion, die durch steigende CO2-Zertifikate stark belastet wird. Und Unternehmen müssen sich zunehmend an neue Anforderungen wie Digitalisierung und nachhaltige Produktionsweisen anpassen. 

Der Blick auf den internationalen Markt zeigt ebenfalls einen wachsenden Wettbewerbsdruck, der Betriebe dazu zwingt, innovativer und effizienter zu arbeiten. So wächst zum Beispiel die Qualität chinesischer Maschinen, Systeme und technischer Produkte und ist insgesamt auf einem technisch hohen Niveau angelangt; durch Staatsubventionen werden Produkte aus dem Marktsegment zudem um 40 % billiger. Außerdem nimmt der Anteil an chinesischen Übernahmen von alten inhabergeführten Gesellschaften zu wie im Fall der ABC-Umformtechnik in Ennepetal. 

Aber: Viele der Unternehmen im Bergischen Land treiben die Circular Economy bereits aktiv voran, indem sie Materialien effizienter nutzen, Abfälle reduzieren und Produktionskreisläufe schließen. Besonders in der Metall- und Werkzeugindustrie werden Recyclingprozesse und langlebige Produkte weiterentwickelt, und Betriebe setzen zunehmend auf nachhaltige Energiequellen und umweltfreundliche Herstellungsverfahren. Zahlreiche Projekte nutzen die Herausforderungen wie KI und Prozessautomatisierungen zu ihrem Vorteil: Weniger Leerlauf in der Produktion bedeutet auch geringere Kosten.“

  • Angebote

    Sichern Sie die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens: Wir zeigen Ihnen mit unseren Beratungsangeboten, wie Sie Ihre Produkte ressourcenschonender und -effizienter gestalten können. Gemeinsam stellen wir die Weichen für Ihren Weg in die Circular Economy.

  • Ressourceneffizienz 4.0

    Wir leben in einer sich schnell wandelnden Welt, die Digitalisierung revolutioniert unsere Wirtschafts- und Lebensweise. Die damit aufkommenden Technologien können wir für den Ressourcenschutz nutzen: Fertigungsprozesse werden in Echtzeit verbessert, Produkte schneller entwickelt und Material und Energie zielgerichteter eingesetzt.

    Eine stilisierte Erde umgeben von Symbolen für Umwelt und nachhaltige digitale Entwicklung, einschließlich Menschen, Satelliten, digitalen Geräten und Industrie. Die Darstellung betont die Wichtigkeit der Digitalisierung und der globalen Zusammenarbeit für den Umweltschutz.

Mit welchen konkreten Angeboten unterstützt die efa Unternehmen in der Region bei der Transformation?

„Mit ihren regionalen wie auch NRW-weiten Angeboten ermöglicht die efa Projekte, vernetzt Unternehmen und Multiplikatoren miteinander und entwickelt nachhaltige Geschäftsmodelle. Am Anfang unserer Zusammenarbeit mit Beraterinnen, Unternehmen und Multiplikatoren steht meist ein persönliches Gespräch mit dem Ziel, weitere Schritte zu identifizieren, Vertrauen aufzubauen und die richtigen Partnerschaften zu knüpfen. So unterstützen zum Beispiel unsere Expertinnen und Experten aus der Beratung Finanzierung dabei, Ordnung in bürokratische Anforderungen und Förderanträge auf den Weg zu bringen. In unseren effektiven Workshops geben wir den Teilnehmenden Werkzeuge wie das efa-Tool ecocockpit an die Hand, mit denen sie in die Ressourcenschonung einsteigen können.“

Das Bergische Land ist eine der Vorreiterregionen für Digitalisierung im Sinne der Ressourcenschonung 4.0 in Nordrhein-Westfalen. Welche Voraussetzungen bringt die Region mit?

„Gerade, weil die im Bergischen Land angesiedelten Industriezweige einen hohen Ressourcenverbrauch und komplexe aufeinander aufbauende Verfahren aufweisen, eröffnet bereits die Prozessoptimierung Chancen zur deutlichen Reduktion von Materialien und Treibhausgasen. Unternehmen profitieren dabei von der engen Zusammenarbeit zwischen den drei Städten der Region und der Vielzahl an Forschungseinrichtungen wie der Bergischen Universität Wuppertal und Technologiezentren in Solingen und Wuppertal. Besonders hervorzuheben sind außerdem die starke industrielle Basis, die hohe Dichte an mittelständischen Unternehmen sowie die ausgeprägte Innovationsfähigkeit in Branchen wie Metallverarbeitung, Maschinenbau, Werkzeugherstellung und Automobilzulieferung. Oft sehen wir, dass die Unternehmen bereits über umfangreiches technisches Know-how und Erfahrung in der Weiterentwicklung von Produktionsprozessen verfügen. 

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Digitalisierung. Sie schafft die notwendige Transparenz über Material-, Energie- und Stoffströme entlang der gesamten Wertschöpfungskette und bildet damit nicht selten die Grundlage für kreislaufwirtschaftliche Geschäftsmodelle. Durch vernetzte Produktionssysteme und datenbasierte Analysen können Ressourcen effizienter genutzt, Abfälle reduziert und Produkte bereits in der Entwicklungsphase auf Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit ausgelegt werden.“

Welche Rolle spielt die Arbeit der efa dabei?

„In den vergangenen Jahren hat die efa zahlreiche Unternehmen dabei unterstützt, die Potenziale von Digitalisierung und Ressourceneffizienz gezielt zu erschließen. Im Rahmen der verschiedenen Beratungsangebote, Prozessanalysen und Beratungsprojekten konnten Material- und Energieverluste in Produktionsabläufen identifiziert und konkrete Optimierungsmaßnahmen umgesetzt werden. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Nutzung digitaler Technologien und KI-gestützter Planungswerkzeuge: So gelang es mehreren Unternehmen, ihre Produktionsplanung zu automatisieren, Maschinenlaufzeiten besser auszulasten und Prozesse flexibler an schwankende Auftragslagen anzupassen. Gleichzeitig schaffen die gewonnenen Prozessdaten die notwendige Transparenz, um Ressourcenverbräuche gezielt zu steuern und Materialströme entlang der Wertschöpfungskette nachvollziehbar zu machen.“

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Matthias Graf
stellv. Leiter Beratung Ressourcenschonung | Region Bergisches Land
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