Kategorie: News  |  04. Februar 2026

Vom Nice-to-have zum wirtschaftlichen Muss: Die Handelsblatt Konferenz Circular Economy 2026 mit der efa als Kooperationspartnerin im Rückblick

Wie können Kreisläufe bei Rohstoffen, Produktdesigns und -lebenszyklen, Lieferketten uvm. bei Unternehmen geschlossen werden? Wie weit ist die deutsche Wirtschaft und wo steht die Regulatorik auf Landes- bis hin zur EU-Ebene? Auf der Konferenz Circular Economy des Handelsblatts vor einigen Tagen am 22. bis 23. Januar 2026 stellten sich KMU wie auch Konzerne und Start-ups diesen Fragen und präsentierten ihre Meilensteine sowie Herausforderungen. Ein angenehmer Rahmen bot Platz für thematisch tiefen Input, flexiblen Netzwerk-Austausch und praktisches Anpacken in den Masterclasses. Im Rahmen der Masterclass „Zirkuläre Strategien als Business Case?” bereitete die efa zusammen mit tpu+ GmbH Einblicke in den praktischen Angang der CIRCO-Methode für den strategischen Start in die Zirkularität mit neuem Produktdesign und Geschäftsmodellen.
Drei Personen stehen vor einem Bildschirm, auf dem der Text "Zirkuläre Strategien als Business?" zu sehen ist. Die Frau in der Mitte trägt ein gestreiftes Oberteil, während die anderen zwei, eine Frau und ein Mann, formell gekleidet sind. © Vogt GmbH / Handelsblatt
Im Rahmen der Konferenz des Handelsblatts „Circular Economy 2026. Vom Nice-to-have zum wirtschaftlichen Muss“ hielten (v. l.) Ines Haydn (efa), Anja Vogel (efa) und Dr.-Ing. Patrick Mattfeld (tpu+ GmbH) eine Masterclass zum Thema: Zirkuläre Strategien als Business Case? Impulse aus KMUs.
Auflösen linearer Denk- und Handlungsweisen

Branchenvielfalt und Partnerschaften

Im Mittelpunkt standen Konzepte und Strategien für eine ressourcenschonende Wirtschaft, neue Geschäftsmodelle sowie Innovationen entlang der Wertschöpfungsketten. Angesichts zunehmender Ressourcenverknappung, geopolitischer Unsicherheiten und wachsender regulatorischer Anforderungen wird klar: Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist kein Zukunftskonzept mehr – sie ist zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle neu zu denken: zirkulär, digital und skalierbar. Darum ging es bei der Handelsblatt Konferenz „Circular Economy 2026“, bei der sich führende Entscheider und Vordenker aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft trafen, um über aktuelle Entwicklungen, Best Practices und strategische Lösungsansätze zu diskutieren.

„Unternehmen brauchen auf ihrem individuellen Weg vielfältige Partnerschaften für das Auflösen linearer Denk- und Handlungsweisen und zum Erreichen einer ganzheitlichen Wirtschaftsweise im Sinne der Circular Economy. Die Mischung aus Konzernen, Mittelständlern, Start-ups, Branchen uvm. ist der Nährboden für die gemeinsame Bewältigung der Herausforderungen. Gemeinsam anstatt gegeneinander, ohne dabei das eigene Business aus den Augen zu verlieren.“

Ines Haydn, stellv. Leiterin Entwicklung & Kooperationen

Ines Haydn

stellv. Leiterin Entwicklung & Kooperationen

Bemerkenswert war die Range der Unternehmen von Stahl, Textil, Reinigungs-/Hygieneprodukte, Bau hin zu Automobil. Es zeigt wie divers und doch auch allumfassend die Herausforderung respektive die Wichtigkeit des Wandels, der Transformation der Wirtschaftsweise ist. Weg vom linearen hin zum zirkulären. Weg vom Werteverfall hin zu Werteerhalt.

Innovationstreiber und Promoter

Nachhaltigkeit als Must-have im Unternehmen etablieren

Mit Fokus auf die Einbettung der Nachhaltigkeitsbrille in das unternehmerische Tun warfen vor allem drei Stimmen den besonderen Blick auf den Kunden respektive die Mitarbeitenden – also den Menschen. Wie können nachhaltige Produkte vom Kunden angenommen werden und wie kann es zu nachhaltigen Produkten beziehungsweise zirkulären Produkten und Geschäftsmodellen kommen, wenn der Mensch in den Fokus gesetzt wird?

In dem Impuls „Von der Vision in den Maschinenraum: Wie zirkuläre Geschäftsmodelle Realität werden“ von Kristina Kölling, Tchibo GmbH gemeinsam mit Andrea Scheller, koorvi, wurde ein Dreiklang zur Erfolgserzielung deutlich: Zirkuläre Geschäftsmodelle werden erfolgreich, wenn 

  1. Unternehmen Innovation aktiv fördern,
  2. End-to-End-Prozesse für Rücknahme und Refurbishment sauber gestaltet werden,
  3. Kunden durch Qualitätsversprechen und Anreize eingebunden werden und den Business Case realistisch geplant ist.

Besonders den Aspekt der Innovationskraft betonte Steffen Erath, Hansgrohe SE, in seinem Impuls „Nachhaltigkeit als Innovationstreiber“ mit dem bildlichen Vergleich der Biene und ihrer Nektarquellen: „Rund 20 % der Bienen eines Bienenstocks erkunden neue Nektarquellen; so sollten kleine Innovations-Hubs innerhalb von Unternehmen neue, nachhaltige Geschäftsmodelle auch testen – kleine fokussierte Innovationsteams, abgesichert durch die Stabilität des restlichen Unternehmens.“ Denn eins ist klar in der nachhaltigen Wertegrundlage: Nachhaltige Innovationen erfordern, planetare Probleme kreativ und wirtschaftlich zu lösen, Risiken antizyklisch einzugehen und operativ zwischen Tagesgeschäft und radikalen Projekten klar zu trennen. 

Neben dem zentralen Innovationstrieb macht Reinhard Schneider der Werner & Mertz GmbH (besser bekannt als Marke Frosch) in seinem Impuls „Welche Relevanz haben wahrhaftig grüne Konzepte heutzutage?“ deutlich: „Human is key – Menschen und Vertrauen stehen im Zentrum jeder erfolgreichen grünen Strategie.“ Entlang der Produktentwicklung der Marke Frosch zeigte er eindrucksvoll auf, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein ethisches, sondern auch ein ökonomisches Thema ist, denn: Marken, die Vertrauen, Qualität und Kreislaufwirtschaft glaubwürdig verbinden, gewinnen langfristig Kundenzufriedenheit, Mitarbeitermotivation und Marktresilienz – selbst in einem preissensitiven Umfeld. Es heißt also im Kern zweierlei: 

  1. „Vom Nice-to-have zum wirtschaftlich relevanten Pull.“
  2. „Nachhaltigkeit ist angewandte Resilienz!“

Es ist aufgrund der Vielfalt an individuellen Nutzen des Kunden und der andauernden Neubewertung der Fokuspunkte Vertrauenssignale vs. Preissignale die andauernde Aufgabe von Unternehmen sich der Frage „Welche Voraussetzungen brauchen Menschen, um Verantwortung übernehmen zu wollen“ zu stellen. Den Menschen muss eine „Weltlust in Zeiten von Zukunftslosigkeit“ gezeigt werden – der Mensch im Mittelpunkt.

Zwischen Innovation und Wirtschaftlichkeit bleiben

Zirkuläre Strategien als Business Case?

In der praxisorientierten Masterclass “Zirkuläre Strategien als Business Case? – Impulse aus KMU” fand der Impuls unserer efa-Kolleginnen Ines Haydn und Anja Vogel Platz. Fokus war die Beleuchtung von Fragen: Was ist mein Produkt auf Produktebene und auf Wertebene noch wert? Welche kritischen Rohstoffe befinden sich in unserem Produkt? Welche Auswirkung hat ein zirkuläres Produkt und Geschäftsmodell auf meine CO2-Emissionen? Um ein Best Practice mit konkreten Umsetzungen auf dem Weg in die Zirkularität gemäß des Circular Design als Geschäftsmodell zum Greifen zu bekommen, unterstütze Patrick Mattfeld, CEO tpu+ GmbH, aus unserer engen Zusammenarbeit im Rahmen der Ressourcenschonung. 

Aus seinem expliziten Unternehmensfall heraus beschrieb er wie die technologische Optimierung als ursprüngliche Ausgangsmotivation sich mit Hilfe diverser Denkanstöße aus dem Konzept Circular Economy das neue Produktdesign und Geschäftsmodell entwickelt hat, um schlussendlich einen zirkulären Mehrwert zu generieren: Ein Fahrradschlauch „Revoloop“ aus mehrlagigem Thermoplastischen Polyurethan (TPU: verbindet als vielseitiger Kunststoff die Thermoplastisches Polyurethan), ausgezeichnet durch seine hohe Leichtigkeit, extreme Stabilität und Langlebigkeit. Fazit ist, dass Dank technologischer Optimierung Gewicht, Pannensicherheit, Abrollverhalten und Umweltverträglichkeit deutlich verbessert worden sind gegenüber herkömmlichen Produkten aus Butyl. Auf dem Weg entstanden Schnittstellen zu Förderprogrammen und aber vor allem auch dem Fach-Know-How der efa-Kolleg:innen im Bereich der Ressourcenschonung hin zur Circular Economy. So entwickelt sich tpu+ GmbH stetig weiter hin zu einem nun neu angedachten Geschäftsmodell im Sinne der Rückführung: Wie können die genutzten Fahrradschläuche wieder in die Materialflüsse des Unternehmens zurückkommen, um dort via eines Chips decodiert für das vollständige Recycling bereitgestellt werden?

„Auch wenn häufig zwar am Anfang eine eher technische oder wirtschaftlich getriebene Idee und Fragestellung steht, ist es immer lohnenswert schon bereits hier die Idee von Beginn an zirkulär zu denken und sie auch skalierbar zu gestalten. Warum nicht von Anfang an den ökologischen und ökonomischen Mehrwert zum Wettbewerbsvorteil machen?“

Anja Vogel, Projektkoordination & Beratung | Region Ostwestfalen-Lippe

Anja Vogel

Projektkoordination & Beratung | Region Ostwestfalen-Lippe

Im interessierten Austausch zwischen Masterclass-Teilnehmenden und den drei Referent:innen wurden anschauliche Einblicke in die Praxis der Ideenfindung, Entwicklung und Herausforderungen gegeben. Deutlich wurde wie wichtig und unabdingbar die Mischung aus Innovationsgeist und Produktbegeisterung ist.

Regulatorische Impulse

Vom Land über Bund und EU hin zu Praxisstimmen von Unternehmen aus Deutschland

Die Perspektive der Regulatorik von Landes- bis zur EU-Ebene lieferten Oliver Krischer, Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr (MUNV) vom Land Nordrhein-Westfalen, sowie Dr. Florian Kammerer, Ministerialrat, Leiter des Referates Nationale Kreislaufstrategie, Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), und Aurel Ciobanu-Dordea, Director Competitive Circular Economy and Clean Industrial Policies, DG Environment, European Commission. 

In seiner Keynote „Zukunft der Kreislaufwirtschaft: Visionen, Innovationen und politische Rahmenbedingungen“ machte NRW-Umweltminister Oliver Krischer deutlich, dass das Land NRW die Entwicklung weiter vorantreibt: „Wir erarbeiten aktuell zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW eine eigene Circular Economy-Strategie für NRW und haben Eckpunkte vorgelegt. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten wurden zunächst folgende für NRW besonders wichtige Themen identifiziert, Zielsetzungen definiert und Maßnahmen vereinbart: Bauwirtschaft, Chemie- und Kunststoffindustrie, Technologiebranchen, Sekundärrohstoffwirtschaft und Kommunen.“ Im Kern formuliert Oliver Krischer klar, dass Kreislaufwirtschaft von der Politik als Industrie-, Resilienz- und Innovationsstrategie verstanden und nicht als Umweltmaßnahme betrachtet wird; Unternehmen, die früh handeln, profitieren von strategischen Vorteilen. Auch aus der EU heraus kommentierte Aurel Ciobanu-Dordea, dass Unternehmen, die jetzt marktfähige zirkuläre Modelle aufbauen, sich einen Vorsprung sichern, bevor Circular Economy vom Nischen- zum Standardmodell wird. Mit den ergänzenden Impulsen von Bund und EU wurde der Aspekte weiter bestätigt, dass Circular Economy als ‘den’ ökologischen Hebel verstanden werden soll, um Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Wachstum langfristig zu sichern. Dr. Florian Kammerer beschrieb diese vor allem mit den Eigenschaften und Wirkpunkten Resilienz, Risikomanagement, Rendite. 

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