Rückblick: 5. CO₂nferenz in Dortmund – Sustainable Finance praktisch erklärt
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„Seit über 25 Jahren setzen wir uns gemeinsam mit den Unternehmen für den Umweltschutz ein – und das mit Erfolg: In den vergangenen zwölf Jahren hat die efa insgesamt über eine Milliarde Investitionsvolumen mit geförderten Projekten angeschoben und vorangetrieben“, sagte Ilona Dierschke, Projektkoordinatorin der efa, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Andreas Bauer-Niermann durch die CO2nferenz führte.
Zu Beginn der Veranstaltung ließ sie die wichtigsten Finanzierungsprojekte der vergangenen zwölf Jahre Revue passieren. Dabei machte sie deutlich, dass sich die efa nicht nur als Expertin für Transformationsfinanzierung versteht, sondern vor allem als Partnerin auf Augenhöhe, die Unternehmen auf ihrem Weg zur nachhaltigen Transformation begleitet.
Transformation als wirtschaftliche Notwendigkeit
In ihrer Keynote ordnete Transformationsfinanzierungsexpertin Kristina Jeromin das Thema grundlegend ein: „Transformation ist nicht absagbar, sie ist nichts Neues und weder eine parteipolitische, moralische noch ideologische Idee.“ Stattdessen ist sie als komplexer Prozess und ökonomische Notwendigkeit zu verstehen, der die drei Handlungsfelder Auf-, Ab- und Umbau von Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodellen vereint. Dabei haben Unternehmen ihre Geschäftsprozesse schon immer entlang der Bedingungen optimiert; aktuell verschärfen Klimawandel, Ressourcenknappheit und veränderte Märkte diesen Druck erheblich. Der Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen bringt aber bereits gute Rahmenbedingungen mit sich, betonte Jeromin, wie starke demokratische Prozesse, Fachkräfte und ein stabiles Bildungssystem.
Zugleich machte Jeromin deutlich, dass die Finanzierung nicht das Hauptproblem darstellt. Kapital ist grundsätzlich vorhanden, muss aber gezielter in nachhaltige Geschäftsmodelle gelenkt werden, denn bestimmte Geschäftsmodelle kann sich die Wirtschaft auf Dauer nicht leisten. Voraussetzung dafür sieht Jeromin in verlässlichen Rahmenbedingungen, klaren politischen Vorgaben und einer besseren Verzahnung von Realwirtschaft und Finanzsektor. Standardisierte ESG-Daten und eine gemeinsame Sprache zwischen Unternehmen und Banken sind dafür unerlässlich.
Sustainable Finance in der Praxis
Wie diese Zusammenarbeit konkret aussehen kann, zeigte die anschließende Diskussionsrunde. Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Förderbank und Beratung beleuchteten die Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven.
Jan Gerdts, Abteilungsleiter Nachhaltigkeit & Wirkungsmanagement der NRW.BANK, betonte die zunehmende Relevanz von Sustainable Finance als Grundlage von Kreditentscheidungen. Banken müssen Risiken und Chancen im Kontext von Klimawandel und Transformation bewerten und sind dabei auf belastbare Informationen aus den Unternehmen angewiesen. Förderprogramme spielen eine wichtige Rolle, um Investitionen anzureizen und Risiken abzufedern, stoßen jedoch zunehmend auf strengere Anforderungen.
Unternehmensseitig stellte Keno Hinrichs von der GS-Recycling GmbH & Co. KG heraus, dass nachhaltige Geschäftsmodelle oft lange Tradition haben, heute jedoch neu bewertet werden. Kerngeschäft des Unternehmens ist das Recycling von Altölen, wodurch es sich als Vorreiter im Bereich der Wiederaufbereitung und Verwertung von Wertstoffen positioniert hat. Gemeinsam mit der efa setzt das Unternehmen bis 2027 ein Projekt um, bei dem Reststoffe, die bei der Schifffahrt entstehen, nicht mehr in die Luft abgegeben, sondern aufgenommen und weiterverarbeitet werden. Damit reagiert das Unternehmen direkt auf die in der CDNI (Übereinkommen über die Sammlung, Abgabe und Annahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt.) formulierten Zielsetzungen, die darauf abzielen, die Umweltbelastungen aus der Binnenschifffahrt durch Regelungen und Überwachungsmaßnahmen zum Umgang mit wassergefährdenen Stoffen und zum Umgang mit den Schiffsentgasungen zu reduzieren.
Hieran wurde deutlich, wie regulatorische Veränderungen konkrete Investitionen auslösen können, etwa zur Weiterverwertung von Reststoffen und zur Stärkung zirkulärer Prozesse. Gleichzeitig erschweren Unsicherheiten bei Regulierung und Marktbedingungen jedoch auch die Erschließung neuer Geschäftsfelder, weiß Marcus Lodde, Leiter der Beratung Finanzierung bei der efa: „Wir als efa begleiten die GS-Recycling GmbH & Co. KG bereits seit 2010 und waren überzeugt, dass die innovativen Ideen des Unternehmens durch geeignete Förderinstrumente eine Unterstützung erfahren können. 2025 ist es gelungen, die Gesamtfinanzierung mit Fördermitteln aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundes und Landesmitteln aus der GRW-Förderung anteilig zu finanzieren." Ein zentrales Thema war dabei der Umgang mit Innovation: Transformationsprojekte sind häufig mit erhöhten Risiken verbunden, die durch klassische Finanzierungslogiken nicht immer abgebildet werden können. Hier braucht es gezielte Förderung, Bürgschaften und politische Unterstützung, um Investitionen in neue Technologien und Geschäftsmodelle zu ermöglichen und zu belohnen.
Zusammenarbeit ist ein Schlüssel
Übergreifend wurde deutlich, dass die Transformation nur im Zusammenspiel aller Akteure gelingen kann: „Nachhaltigkeit hat sich als fester Faktor bei Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen etabliert. Die große Resonanz zeigt, dass der Informations- und Austauschbedarf in den Unternehmen weiterhin hoch ist. Mit der CO2nferenz bietet die efa die richtige Plattform für den Austausch zwischen Unternehmen und Multiplikatoren“, betonte Andreas Bauer-Niermann. Banken, Unternehmen und Politik müssen stärker kooperieren, Vertrauen aufbauen und gemeinsame Ziele verfolgen. Insbesondere der Dialog auf Augenhöhe wurde als entscheidender Erfolgsfaktor hervorgehoben, etwa um Geschäftsmodelle differenziert zu bewerten und Sektorausschlüsse zu hinterfragen.
Gleichzeitig braucht es mehr Klarheit und Verlässlichkeit in den Rahmenbedingungen. Politische Unsicherheiten wirken investitionshemmend, während klare Strategien Orientierung geben und Kapital mobilisieren können. Auch in der Vereinfachung von Förderstrukturen und der Bündelung von Programmen erkennt Marcus Lodde wichtige Schritte, um Hürden abzubauen und das Geld dahinzubringen, wo es benötigt wird.
Perspektiven für die erfolgreiche Transformation
Die 5. CO₂nferenz hat gezeigt: Sustainable Finance ist kein abstraktes Konzept, sondern ein zentraler Baustein der wirtschaftlichen Transformation. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle zukunftsfähig auszurichten, während Finanzakteure diese Entwicklung zunehmend aktiv begleiten.
Entscheidend wird sein, die bestehenden Instrumente weiterzuentwickeln, Unsicherheiten zu reduzieren und die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu stärken. Das funktioniert nur, wenn genug Raum für Fehler und Korrekturen eingeräumt wird. Denn auf der CO₂nferenz wurde klar: Transformation bedeutet mehr als einzelne Maßnahmen; bestehende Geschäftsmodelle müssen teilweise zurückgebaut und parallel angepasst werden bei gleichzeitiger Erschließung neuer Wertschöpfungsketten. Die Transformation ist nicht optional, aber sie ist steuer- und bezahlbar.
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