Rückblick 12. Effizienz Forum Wirtschaft: Transformation nachhaltig, effizient und intelligent gestalten
Unter dem Leitthema „Transformation – Nachhaltig. Effizient. Intelligent.“ bot das Forum in zwölf Sessions ein breites Spektrum an Themen. Im Mittelpunkt standen unter anderem Ressourcenmanagement, zirkuläres Design, Nachhaltigkeitsberichterstattung, künstliche Intelligenz, Energieplanung, Fördermöglichkeiten und zirkuläre Geschäftsmodelle.
Das Forum wurde von Michael Bühren, Prodekan der Westfälischen Hochschule, und Birgitt Helms, Projektkoordinatorin der efa in der Region Münsterland, eröffnet. Bühren freute sich über die große Resonanz auf die Veranstaltung und betonte, wie wichtig die direkte Interaktion der Teilnehmenden ist. „Das Dutzend ist voll!“, so Helms und gab zur Eröffnung einen kurzen Überblick über die zurückliegenden und aktuellen Schwerpunkte des Forums – von Energieeffizienz bis hin zur Transformation.
© Jan Schöne
Sneak-Preview auf die Kreislaufwirtschaftsstrategie NRW
Einen besonderen Auftakt bildete die Keynote von Cornelius Laaser, Referatsleiter Circular Economy im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Wenige Tage vor der offiziellen Vorstellung der ersten Kreislaufwirtschaftsstrategie des Landes gab er den Teilnehmenden einen Einblick in die zentralen Ziele und Maßnahmen.
Laaser skizzierte, wie das Land mit den in der Kreislaufwirtschaftsstrategie formulierten Maßnahmen Rohstoffrisiken senken, Klima- und Ressourcenschutz miteinander verbinden, Innovationen beschleunigen und Wertschöpfung in NRW halten will. „Ziel ist es, NRW als führenden Standort der Circular Economy in Europa zu etablieren“, so Laaser.
Um dieses Ziel zu erreichen, biete das Land vielfältige Unterstützung – von Beratungsangeboten wie denen der efa über Zuschüsse und Kredite bis hin zur Optimierung von Planungs-, Genehmigungs- und Vollzugsprozessen. „Wir wollen Hemmnisse abbauen“, betonte er.
Zu den Schwerpunktbranchen entlang realer Wertschöpfung zählen im ersten Schritt u. a. das zirkuläre Bauen, Chemie und Kunststoffe, Metalle, der Maschinen- und Anlagenbau, die Elektrotechnik sowie Sekundärrohstoffe. „Circular Economy kann zum Geschäftsmodell für ein resilientes, wettbewerbsfähiges Industrieland NRW werden“, so Laaser. Die Kreislaufwirtschaftsstrategie sei dafür ein wichtiges Instrument.
Warum die Transformation nur gemeinsam gelingen kann
Auch die anschließenden Fachsessions zeigten die Vielfalt der Ansätze für eine zukunftsfähige Wirtschaft. Themen waren unter anderem Resilienz als Zukunftsressource, zirkuläres Design für Refurbishing und Reuse, eine KMU-gerechte Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem VSME-Standard und die ressourceneffiziente Produktentwicklung.
Die Session „Innovationen aus der Praxis“ informierte darüber, wie Transformation im Unternehmensalltag gelingt. Die beiden Unternehmen TRILUX und Otto Fuchs zeigten auf, welche Potenziale in der branchenübergreifenden Zusammenarbeit stecken. Während die TRILUX GmbH & Co. KG aus Arnsberg nach einer alternativen Einsatzmöglichkeit für das in ihren Leuchten verbauten Aluminium suchte, entwickelte die Otto Fuchs KG aus Meinerzhagen ein im Vergleich zu herkömmlichen Methoden deutlich weniger energieintensives Verfahren zur Herstellung von Aluminiumteilen. Anstatt das Material immer wieder neu durch die energieintensiven Prozesse laufen zu lassen, sammelt das Unternehmen Schrotte, sortiert und zerkleinert sie, um sie nach einem Strangpressverfahren mit leicht anderen Eigenschaften wieder einsetzen zu können. Hier kommt TRILUX als Abnehmer ins Spiel. Nicht jeder Anwendungsbereich verlangt nach gleicher Materialbeschaffenheit. Im Fall der Leuchten eignet sich das recycelte Material ebenso gut wie Aluminium aus dem herkömmlichen Herstellungsverfahren.
Ähnlich verhält es sich im Praxisbeispiel der Shards GmbH, Gewinner des Effizienz-Preises NRW 2023. Das Unternehmen aus Sassenberg entwickelte eine nachhaltige Fliese aus Bauschutt. Diese sogenannten „Shards” können nach der Nutzungsphase ohne Ressourcenverlust zu neuen Fliesen verarbeitet werden.
Transparenz spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um die Wiederaufbereitung und Rückgewinnung der eigenen Produkte geht. Das wurde im Rahmen der Nachmittagssession „Remanufacturing“ am Beispiel der Rema.germany deutlich. Das Unternehmen aus Gescher befasst sich mit der Wiederaufbereitung von LKW-Altteilen und der Frage, wie der Rücknahme- und Aufbereitungsprozess nachhaltiger gestaltet werden kann. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen ein Portal entwickelt, in dem alle Daten zu Altteilen und Kundenbestellungen zusammenlaufen. Es nutzt dabei auch KI-Systeme, um Defekte an seinen Produkten schnell identifizieren zu können. Der Vorteil: Anhand der Daten lassen sich Schwachstellen im Produkt leichter identifizieren und oft schneller beheben.
Rücknahmesysteme rücken für Unternehmen in den Fokus
Das Thema „Abfalleigenschaft“ stand im Zentrum der Session „Produktrücknahme: Zwischen regulatorischen Herausforderungen und zirkulären Chancen“, zu der die efa eingeladen hatte. Dabei wurde die Fragestellung aus verschiedenen Perspektiven – aus Sicht von Unternehmen, Behörden und Politik – beleuchtet.
Linda Dierke, Leiterin Entwicklung & Kooperationen der efa, unterstrich die Relevanz des Themas: „Das Thema Abfallrecht wird aktuell viel diskutiert, weil sich immer mehr Unternehmen mit Rücknahmesystemen auseinandersetzen.“ Entscheidend sei es, frühzeitig für Transparenz zu sorgen und geplante Maßnahmen entsprechend zu dokumentieren.
Einblicke in die Praxis gab Dr. Marianne Schönnenbeck, Leiterin Umweltschutz/Arbeitssicherheit der Rheinzink GmbH & Co. KG. Sie stellte ein Projekt zur Rückholung von Zink-Produkten vor und erläuterte bestehende regulatorische Herausforderungen sowie mögliche Lösungsansätze für deren Umsetzung.
Aurel Köhler, Geschäftsführer der ASIGNER GmbH, sprach über seine Erfahrungen bei der Entwicklung eines Rücknahmesystems für Garagentorantriebe bei der Marantec Group. Er brachte die zentrale Herausforderung für Unternehmen auf den Punkt: „Ohne Abfallrecht kein zirkuläres Geschäftsmodell.“ Er rief Unternehmen dazu auf, mutig mit ihren Ideen voranzugehen: Hundertprozentige rechtliche Sicherheit gebe es bei diesem Thema nicht.
Cornelius Laaser, Referatsleiter Circular Economy im NRW-Umweltministerium, informierte über die Arbeit an zwei Leitfäden für Vollzugsbehörden und Unternehmen, die künftig für mehr Klarheit in der Abfallbewertung sorgen sollen. Zudem erläuterte er Kriterien, die Unternehmen erfüllen müssen, um den Abfallstatus zu verlassen.
Weitere Sessions gaben Einblicke in Förder- und Beratungsangebote
Auch die Frage der Finanzierung von Transformationsvorhaben war Thema des Forums. Marcus Lodde, Leiter Beratung Finanzierung der efa, informierte über die verschiedenen Module der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) und gab Einblicke in konkrete Unternehmensbeispiele. Dabei wurden auch Fragen zur Fördereffizienz und deren Bedeutung für die Förderfähigkeit von Maßnahmen diskutiert. Darüber hinaus warf er einen kurzen Blick auf das Thema Industriestrompreis.
Anschließend informierte Stephan Sterzenbach, Leiter Förderberatung Westfalen der NRW.BANK, über die Konditionen und aktuellen Anpassungen im Förderprogramm „NRW.BANK.Invest Zukunft”. (Lesen Sie hierzu auch unser aktuelles INTERVIEW mit Andreas Kunsleben, Leiter Beratung Ressourcenschonung der efa, und Marcus Lodde)
Beim „efa-Beraternetzwerk extra“ stand anschließend das Förderprogramm „Ressourceneffizienzberatung NRW“ im Mittelpunkt. Andreas Kunsleben, Leiter Beratung Ressourcenschonung der efa, stellte die Fördermöglichkeiten vor und zeigte auf, wie die efa bei Beratungsprojekten konkret Unterstützung bietet.
„Es kommt darauf an, was hinten herauskommt“, so Kunsleben. Mit zahlreichen Praxisbeispielen gab er Einblick in erfolgreich umgesetzte Beratungsrojekte im NRW-Mittelstand und zeigte anhand aktueller Themen wie KI, Circular Economy und Transformation, wie breit die Beratungsförderung genutzt werden kann.
„Mit dem ‚efa-Beraternetzwerk‘ extra zeigen wir, welchen konkreten Mehrwert Beraterinnen und Berater ihren Unternehmenskunden mit der Ressourceneffizienzberatung NRW bieten können. Die bis zu 50-prozentige Förderung von Beratungsprojekten erleichtert Unternehmen den Zugang zu externem Know-how und kann damit wichtige Transformationsprozesse anstoßen“, erklärte er.
Austausch und Vernetzung als zentraler Bestandteil des Forums
Neben den Fachvorträgen bot das Effizienz Forum Wirtschaft zahlreiche Möglichkeiten zum persönlichen Austausch. Eine Ausstellung mit Lösungsanbietern und den Kooperationspartnern, moderierte Thementische und ein „Schwarm-Impuls“ zu Beginn der Veranstaltung brachten die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch und schufen Raum für neue Kontakte und Kooperationen.
„Das Effizienz Forum Wirtschaft lebt nicht nur von seinen Vorträgen, sondern ganz wesentlich vom persönlichen Austausch. Dass rund 250 Teilnehmende aus unterschiedlichen Bereichen zusammengekommen sind, freut uns sehr. Die Gespräche und neuen Kontakte sind ein wichtiger Teil des Forums und zeigen, dass Transformation vor allem dann gelingt, wenn Akteure gemeinsam an Lösungen arbeiten."
Die Partner des Effizienz Forum Wirtschaft
Das 12. Effizienz Forum Wirtschaft wurde von der Effizienz-Agentur NRW (efa), NRW.Energy4Climate, der FH Münster, der Westfälischen Hochschule Bocholt, dem VDI Bezirksverein Münsterland/VDI-TZ, der Handwerkskammer Münster, der IHK Nord Westfalen, den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf, den vier Kreiswirtschaftsfördergesellschaften WFG Borken, WFC, WESt, gfw sowie der WFM der Stadt Münster und dem Münsterland e.V. veranstaltet.
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