Rückblick: Fachforum Circular Design in Düsseldorf
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Konsument:innen befähigen, nachhaltig Wirtschaften.
Mit seinem Vortrag „Konsumenten befähigen jenseits des Konsums“ näherte Post sich der Frage an, mit welchen Strategien Konsument:innen an die Nutzung nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen herangeführt werden können und behielt dabei stets den Menschen im Blick – denn dieser ist die wichtigste, aber häufig vernachlässigte Komponente, wenn es um Circular Design geht. Damit Verbraucher:innen bewusste und nachhaltige Entscheidungen treffen können, müssen sie erst dazu befähigt werden, indem Unternehmen Produkte im Sinne des Circular Designs als Alternative zu Produkten der linearen Wirtschaft anbieten, so Post.
Nadine Tiedemann, Leiterin Geschäftsfeld CIRCO-Hub der efa, hob im Anschluss an die Veranstaltung hervor, wie Post es geschafft hat, das komplexe Thema dem Publikum zugänglich zu machen: „Mein Highlight war der Vortrag von Peter Post, der das Thema der Nutzerperspektive so schön in den Vordergrund gebracht hat. Und vor allem mit Bildern, Videos und ganz kurzen Botschaften es geschafft hat, das Publikum mitzunehmen und für ein Thema zu begeistern, das vielleicht nicht ganz so zugänglich ist, wie man sich das eigentlich vorstellen würde. Ich hoffe, wir können das mit unseren Unternehmen auch umsetzen und sie dazu zu begeistern, vielleicht mal auf seine Datenbank zu schauen.“
„Es geht um die Mutation des Menschen zum Konsumenten: So, wie wir dafür gesorgt haben in den letzten 4000 bis 5000 Jahren, dass Menschen konsumieren und wie wir sie jenseits des Konsums befähigen können. Für mich ist das sehr wichtig in der Kreislaufwirtschaft, denn es geht nicht nur um Produktgestaltung bei Circular Design, sondern auch um Erfahrungsdesign für ganz normale Menschen, die noch nie von der Kreislaufwirtschaft gehört haben und vielleicht auch nie davon hören werden. Es geht also um die Perspektive von Nutzenden und nicht so sehr von denen, die die Sachen machen.“
Diese Relevanz zeigen auch die wichtigen Messlatten für Service-Design mit Blick auf die Endverbraucher:innen: Um wirtschaftlich tragfähig zu sein und von den Kund:innen angenommen zu werden, muss ein zirkuläres Produkt eine mit möglichst wenig Mühe und großem Mehrwert verbundene Nutzungserfahrungen bieten.
Vom Wissen ins Tun kommen
„Wir müssen vom Wissen ins Tun, vom Verstehen ins Verändern kommen,“ eröffnete Moderatorin Jessika Kunsleben, Projektkoordinatorin und Beraterin bei der efa, den folgenden produktiven Austausch von Akteur:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Am Panel nahmen teil
- Peter Post, UX- und Servicedesign Consultant, Markenstratege und Designer in der Kreislaufwirtschaft,
- Nadine Tiedemann, Leiterin Geschäftsfeld CIRCO-Hub der efa,
- Sven Fischer, General Manager, Krall+Roth Services GmbH & Co. KG und Teilnehmer der efa-CIRCO-Workshopreihe,
- Kathrin Aster, Geschäftsführerin Standby GmbH und Preisträgerin des Effizienz-Preises 2023 in der Kategorie „Produktlebenszyklus“ sowie
- Prof. Dr. Matthias Laschke von der Forschungsgruppe MOVEN der Universität Siegen.
Die erste Hürde sah Prof. Dr. Matthias Laschke in den Geschäftsmodellen. Transformation sollte in erster Linie aus dem Unternehmen heraus angestoßen werden und braucht Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen, um umfassende Veränderungen zu bewirken. Zusätzlich bedarf es aber auch mit Blick auf Nutzende eines motivatorischen Ansatz, um Nachhaltigkeit in den Alltag von Verbraucher:innen zu integrieren. Erleichterung bietet der Digitale Produktpass (DPP): Durch die Schaffung von Transparenz über den gesamten Lebenszyklus von Produkten werden sowohl Unternehmen wie auch Verbraucher:innen dazu befähigt, ressourcenschonende Entscheidungen zu treffen. Bereits ins seiner Keynote zeigte Post, dass dabei das Prinzip des “Nudgings” eine große Rolle spielt: Im Produktdesign ermöglicht es durch die effiziente Aufbereitung und Darstellung von Informationen, Konsumentscheidungen zu beeinflussen und Kund:innen ressourcenschonende Alternativen nahe zu bringen.
Herausforderung als Chance nutzen
Potenzial auf dem Weg in die Circular Economy sahen die Panelteilnehmenden insbesondere in der Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft, da Ressourcenschonung und Zirkularität keine Nischenthemen sind, sondern ein flächendeckendes Innovationsanliegen. Wie kann also das Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft verbessert werden? Wie treten sie miteinander in Kontakt? Insbesondere Designschulen haben häufig Schwierigkeiten, Zugang zur Wirtschaft zu finden. Umgekehrt ist auch der Weg der Wirtschaft zur Kooperation mit der Wissenschaft nicht immer einfach. Helfen kann auch hier die gute Vernetzung der efa; als Vermittlerin stellt sie Kontakte zwischen Hochschulen und Unternehmen her und ermöglicht den wertvollen Austausch.
Wir können und sollten auch von anderen lernen: Die Niederlande beispielsweise bieten zum besserem Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft bereits spezifische Workshops für ganze Wirtschaftsketten an, und das mit Erfolg: Es werden neben Entscheidungsträgerinnen und -trägern auch Personen mit an den Tisch geholt, die sich z. B. mit der Logistik auseinandersetzen um einen übergreifenden Blick zu erhalten.
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Zirkuläres Design zahlt sich aus
Die Nachfrage nach Unterstützung bei der Umsetzung zirkulärer Modelle ist in Unternehmen nach wie vor hoch. Die efa setzt an dieser Stelle mit ihrem CIRCO-Hub an, einer Workshopreihe, die in den letzten vier Jahren bereits knapp 200 Unternehmen in NRW erreicht hat und dazu befähigt, Ideen und Konzepte in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Eines der teilnehmenden Unternehmen ist die Krall + Roth Services GmbH & Co. KG: Die Textilmanufaktur mit Zentrale in Mönchengladbach produziert Möbelbezugsstoffe für Büros, Konferenzräume, Hotels und Wohnhäuser. Die Spezialität sind innovative Gewebe, die in der hauseigenen Prototypen-Werkstatt erforscht und entwickelt werden. Eine Besonderheit sind unter anderem die selbsttragenden Gewebe, die den Einsatz von Polstermaterial vermeiden und damit die Umwelt entlasten.
Sven Fischer, General Manager, Krall+Roth Services GmbH & Co. KG sieht als Folge der CIRCO-Teilnahme einen anhaltenden Prozess, in dem bereits erste Erfolge erzielt werden konnten. Einsteigen können Unternehmen in verschiedenen Phasen der Transformation. Ob ganz am Anfang oder mit einem konkreten Projekt – Das Ziel ist es stets, praktische Aspekte und Methoden aus dem CIRCO-Hub dauerhaft in die Unternehmensstruktur zu implementieren und sich neben dem Recycling auch mit Services zu beschäftigen.
Die Standby GmbH aus Dinslaken wurde 2023 für die erfolgreiche Wiederaufbereitung hochwertiger Sondersignalanlagen für Polizei und Feuerwehr mit dem Hauptpreis in der Kategorie „Produktlebenszyklus“ des Effizienz-Preises NRW ausgezeichnet. Durch eine perfektionierte Bauweise, die auf Modularität und effiziente Servicehandhabung setzt, sowie das Angebot eines Produkt-Service-Systems hat die Standby GmbH ein wettbewerbsfähiges Konzept entwickelt. Geschäftsführerin Kathrin Aster zeigte, wie Standby den Weg zum nachhaltigen Produkt gegangen ist und wie sich das Unternehmen seitdem entwickelt hat. In den letzten drei Jahren ist, laut Aster, klar geworden: Ihr Konzept ist nicht nur wirtschaftlich tragfähig, sondern birgt weitere Potenziale in Hinblick auf Ressourcenschonung.
Teilnehmende der Podiumsdiskussion
Wo setzt die efa an?
Die Veranstaltung machte deutlich, welchen Herausforderungen Unternehmen sich auf ihrem Weg in die Circular Economy gegenübersehen, aber auch, welche Maßnahmen nötig sind, um die Transformation zu erleichtern. Die Panelteilnehmenden sahen insbesondere im Abbau von Bürokratie und der umfassenden Förderung nachhaltiger Projekte durch Bund und Land Ansatzpunkt, die nachhaltige Transformation voranzutreiben, ließen aber auch die Befähigung und Motivation von Verbraucher:innen im Zentrum der Fragestellung. Am Anfang steht dabei die komplexe Frage, an welchen Stellen in Unternehmen tatsächlich Potenzial besteht, das Circular Design vorantreibt – denn die Nachfrage nach umweltfreundlichen Alternativen ist hoch; nur fehlt an einigen Stellen noch immer das Angebot.
Die efa bietet mit ihren Schulungsangeboten einen ersten Einstieg in die Zirkularität und Ansatzpunkte zur Beschäftigung mit der Frage, wie zirkuläre Produkte und Geschäftsmodelle umgesetzt und an die Endverbraucher:innen gebracht werden können. Nadine Tiedemann von der efa verdeutlichte abschließend mit Blick auf den Austausch die Relevanz von praktischen Aspekten und Methoden aus dem CIRCO-Hub für die nachhaltige Transformation von Unternehmen. Ihr Fazit: In den letzten vier Jahren hat die efa bereits knapp 200 Unternehmen mit dem CIRCO-Hub erreicht und dabei unterstützt, Maßnahmen für mehr Ressourcenschonung umzusetzen. Das Ziel ist es immer, ganze Geschäftsmodelle zirkulär zu gestalten.
Feierliche Preisverleihung
Im Anschluss an das Fachforum Circular Design wurden der diesjährige NRW-Preis Ressourcenschonung und der Nachwuchspreis MehrWert NRW vergeben. Je einen Hauptpreis erhielten die Accurec-Recycling GmbH aus Krefeld in der Kategorie „Ressourcenschonendes Produkt“, die circuly GmbH aus Bielefeld in der Kategorie „Ressourcenschonende Dienstleistung“ und die Waterblokk GmbH aus Geilenkirchen in der Kategorie „Gesellschaftliche Resilienz“. Die CGW GmbH aus Willich erhielt außerdem den Sonderpreis „Kooperation“.
Von der Verbraucherzentrale ausgezeichnet wurden Alexandra Plewnia, Absolventin der Hochschule Niederrhein, für die Entwicklung einer fluorfreien Hochleistungsfaser, die vollständig auf problematische PFAS-Chemikalien verzichtet, und Leon Blanckart, Absolvent und Promotionsstudent der Hochschule Niederrhein, für ein neuartiges textiles Material auf Algenbasis.
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