Das 48. Beraternetzwerk-Treffen Münsterland: Warum zirkuläres Bauen so von Bedeutung ist
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Das 48. Beraternetzwerk-Treffen im Münsterland zeigte eindrucksvoll, dass nachhaltiges und zirkuläres Bauen weit über die Wahl einzelner Baustoffe hinausgeht. Die Kombination aus intelligenter Datenerfassung, ressourcenschonender Planung und dem verstärkten Einsatz nachwachsender Rohstoffe bietet großes Potenzial, die Energieeffizienz von Gebäuden zu steigern und gleichzeitig wertvolle Ressourcen zu erhalten. Die Kreisl-Kiste machte diese Zusammenhänge auf anschauliche Weise erlebbar und bot den Teilnehmenden zahlreiche Impulse für die eigene Beratungspraxis.
„Trotz Hitze und Enge dieser besonderen Location war das Treffen mal wieder ein voller Erfolg! Unsere Referenten haben uns anschaulich Möglichkeiten zu nachhaltigem Bauen unter Beachtung der Energieeffizienz aufgezeigt, die jetzt schon realisiert werden können, was zu regen Diskussionen geführt hat.“
Kreisl-Kiste als Experiment für zirkuläres Bauen
Im Mittelpunkt des Treffens stand die Kreisl-Kiste, vorgestellt von Dr.-Ing. Anja Rosen, Architektin & Professorin für Circular Construction an der FH Münster sowie Geschäftsführerin von C5 – the circle begins where we start. Das Projekt versteht sich als Experimentier- und Lernort für zirkuläres Bauen. Anders als bei herkömmlichen Bauprojekten wurde hier zunächst nach verfügbaren Materialien gesucht und erst anschließend der Entwurf des Bauwerks entwickelt. Dieser Perspektivwechsel verdeutlicht den Grundgedanken des zirkulären Bauens laut Anja Rosen: „Lineares Denken verlernen, um Ressourcenverknappung zu lösen.“ Der Pavillon besteht nahezu vollständig aus gebrauchten Bauteilen und Materialien, die unter anderem aus ehemaligen Schulgebäuden stammen. Trotz seiner temporären Nutzung war ein reguläres Genehmigungsverfahren erforderlich, wodurch das Projekt wertvolle Erkenntnisse zu den aktuellen Rahmenbedingungen und Herausforderungen für zirkuläre Bauvorhaben sammeln konnte.
Anja Rosen erläuterte, wie das Prinzip „Cradle to Cradle“ in die Architektur übertragen werden kann. Dabei wurde deutlich, dass bestehende Gebäude und ihre Bauteile als „anthropogenes Lager“ betrachtet werden sollten – als wertvolle Rohstoffquelle anstatt als Abfall. Zirkuläres Bauen kann somit nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz leisten. Besonders eindrucksvoll war der Hinweis, dass rund 54 Prozent aller Abfälle dem Bauwesen zugeordnet werden können. Statt vorschnell zurückzubauen, müsse die Frage im Vordergrund stehen, ob bestehende Konstruktionen weiterhin nutzbar sind. „Wenn die Statik noch reicht, dann nicht zurückbauen“, lautete eine zentrale Botschaft. Entscheidend sei zudem, bei der Bewertung von Bauprojekten stets die Gesamtbilanz aus Bestand, Rückbau und Neubau zu betrachten.
Neues Mitglied Zolea stellt sich im Beraternetzwerks Münsterland vor
Zum Auftakt des Beraternetzwerkes stellte sich das Unternehmen Zolea als neuer Ansprechpartner für Smart Sensor Solutions vor. Präsentiert wurde ein „Anything as a Service“-Geschäftsmodell (AaS), das sich auch in bestehenden Anlagen und mit Bestandsgeräten unkompliziert umsetzen lässt. Die Lösung ermöglicht die exakte Erfassung von Verbrauchsdaten inklusive Durchflussmessungen und bietet flexible Einsatzmöglichkeiten für unterschiedlichste Anforderungen. Durch individuell konfigurierbare Datenpunkte und Alarmparameter können beispielsweise Messestände oder technische Anlagen gezielt überwacht und optimiert werden. Die Teilnehmenden erhielten damit einen praxisnahen Einblick in moderne digitale Werkzeuge zur Steigerung von Transparenz und Energieeffizienz.
Praxiseinblick von Naturwerk Borken: Hanffasern als Dämmstoff und vielem Mehr beim Bauen
Ein konkreter Praxisimpuls aus Unternehmensbrille heraus kam von Martin Kamperschroer von Naturwerk Borken, der über den Einsatz nachhaltiger Dämmstoffe aus Hanf berichtete. Hanfdämmstoffe bieten großes Potenzial für energieeffiziente Gebäude und erreichen in der Praxis häufig bessere Dämmwerte, als sie derzeit aufgrund regulatorischer Vorgaben offiziell angesetzt werden dürfen. Als aktuelle Herausforderung wurde die industrielle Faseraufbereitung genannt. Um Lieferketten zu verkürzen und die Verfügbarkeit zu erhöhen, wird derzeit eine eigene Produktionsstätte in Bad Bentheim aufgebaut. Gleichzeitig wurde die Einschätzung geteilt, dass sich Hersteller und Händler mineralischer Dämmstoffe in den kommenden Jahren teilweise aus dem europäischen Markt zurückziehen könnten, was die Bedeutung nachwachsender Rohstoffe weiter erhöhen dürfte.
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