CIRCO in progress – Interview mit Nadine Tiedemann über die Weiterentwicklung des CIRCO-Workshop-Angebots der efa
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Frau Tiedemann, die CIRCO-Workshopreihe gibt es in NRW inzwischen seit einigen Jahren. Wie hat sich das Format weiterentwickelt?
Zu Beginn hat die efa branchenoffene und regional ausgerichtete CIRCO-Workshopreihen angeboten. Dank unserer starken regionalen Vernetzung konnten wir ein attraktives Angebot schaffen, das nebenbei noch zu einer besseren Vernetzung der Unternehmen in der Region führte. In den letzten zwei Jahren haben die Unternehmen vermehrt den Wunsch nach fachlichem Austausch innerhalb der eigenen Branche geäußert, wodurch sich Potenziale für neue Kooperations- und Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Diesem Wunsch sind wir gefolgt und haben mittlerweile mit den unterschiedlichsten Branchen (z. B. Möbel, Maschinenbau, Kunststoff oder Textil) sehr erfolgreich Workshopreihen durchgeführt.
Über 200 Unternehmen haben bereits an CIRCO-Tracks teilgenommen. Welches Feedback erhalten Sie? Was begeistert die Teilnehmenden an CIRCO?
Ein Punkt, der immer wieder genannt wird, ist die Begleitung und der Einsatz der Trainer:innen. Sie sind mit voller Leidenschaft für das Thema „Circular Economy” dabei und setzen alle Hebel in Bewegung, um die Unternehmen bei der Erarbeitung und späteren Umsetzung ihrer Ideen zu unterstützen.
Der intensive Austausch mit den anderen Unternehmen ist für viele Teilnehmende ein Highlight und inspiriert sie nicht selten, sich zu hinterfragen und sich mit ganz neuen Ansätzen zu beschäftigen.
Besonders freut es uns, dass die Zufriedenheit der Teilnehmenden konstant hoch bis sehr hoch ist und dabei Praxisnähe, Erkenntnisgewinn und der methodische Ansatz als besonders wertvoll eingeschätzt werden.
Nach dem Workshop ist vor dem Realitätscheck: Wie gut gelingt es den Teilnehmenden, die mit CIRCO entwickelten zirkulären Ideen und Lösungsansätze im Unternehmensalltag umzusetzen?
CIRCO bietet einen methodischen Ansatz, um die Umsetzung – unter anderem in Form einer Roadmap – bereits in der Workshopreihe zu planen. Nichtsdestotrotz sind Projekte der Circular Economy oft Teil langfristiger Transformationsbestrebungen und benötigen einen langen Atem. In unserer Arbeit mit den Teams ist es daher sehr wichtig, dass wir dabei helfen, die im Workshop entwickelten Ideen in bewältigbare Arbeitspakete, Pilotprojekte und zur Unternehmensstrategie passende Business Cases zu übersetzen. Dabei spielen sowohl die Quantifizierung der Problemstellung als auch die Bewertung der wirtschaftlichen Potenziale eine entscheidende Rolle dafür, ob die Ergebnisse in den Unternehmen angenommen und umgesetzt werden.
Der internationale CIRCO-Track „Battery Value Creation” zur Wertschöpfungskette von E-Bike-Batterien war ein neuer Ansatz. Was unterscheidet dieses Format von der bisherigen Ausrichtung der CIRCO-Workshopreihen?
Im Gegensatz zu den bisherigen Workshopreihen mit Branchenfokus werden bei den Wertschöpfungsketten-Tracks gezielt Akteure entlang einer sehr spezifischen Wertschöpfungskette, in diesem Fall der E-Bike-Batterien, angesprochen. Der Ablauf und die Methode wurden auf eine unternehmensübergreifende Problemanalyse und Lösungsfindung angepasst. Die Teilnehmenden entwickeln gemeinsam eine systemische Lösung. Die an die Workshopreihe anschließende Follow-up-Phase bietet Rahmen und Unterstützung bei der Pilotierung und Umsetzung.
In diesem Track haben Unternehmen gemeinsam an Rücknahme- und Wiederverwendungssystemen gearbeitet. Warum ist die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette so entscheidend für erfolgreiche zirkuläre Geschäftsmodelle?
Die großen Hürden für die Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle sind oft Themen, die ein Unternehmen nicht alleine bewältigen kann. Dazu gehören beispielsweise Infrastruktur und Sammellogistik oder die Erreichung der notwendigen Mengen, um einen wirtschaftlichen Business Case zu ermöglichen. Durch die gemeinsame Entwicklung haben alle Beteiligten die Chance, ihre Rolle im System als Teil einer großen, wirtschaftlich tragfähigen Lösung zu gestalten und ihre eigene Wirkung zu verstärken.
Wird sich das CIRCO-Angebot der efa auf Basis der Erfahrungen aus dem internationalen CIRCO-Track weiter in Richtung Wertschöpfungsketten entwickeln?
Wir sind aktuell Teil der Follow-up-Phase des internationalen Wertschöpfungsketten-Tracks für E-Bike-Batterien und begleiten diese sehr aufmerksam. Wir sehen darin eine große Chance, die Transformation zur Circular Economy noch effektiver voranzutreiben. Daher können wir uns sehr gut vorstellen, ergänzend zu den klassischen Workshopreihen zukünftig auch Wertschöpfungsketten-Tracks anzubieten.
Für welche Branchen sehen Sie dabei besonders großes Potenzial?
Für die Auswahl der Wertschöpfungsketten sind u. a. die strategische Relevanz des Produkts oder Rohstoffs, Abhängigkeiten in Lieferketten oder Produktion sowie zirkuläre Probleme in Verbindung mit dem Potenzial für signifikante Einsparungen bei Ressourcen und CO₂ entscheidend. In den Niederlanden wurden beispielsweise bereits erfolgreiche Projekte mit den Wertschöpfungsketten Solarenergie, Windkraftanlagen, Gebäudetechnik und Gesundheitswesen/Krankenhäuser durchgeführt.
Plant die efa in nächster Zeit einen eigenen Wertschöpfungsketten-Track?
Aktuell arbeiten wir an der Jahresplanung für 2027, in der wir wichtige Branchen wie Textilien, Bauen und Lebensmittel adressieren werden. Dabei werden wir auch prüfen, ob und für welche Branche ein Wertschöpfungsketten-Track sinnvoll wäre. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht.
Viele Unternehmen stehen in der aktuellen Krisenzeit unter Druck. Warum lohnt es sich gerade jetzt, sich intensiver mit zirkulären Produkten und Geschäftsmodellen zu beschäftigen und an CIRCO teilzunehmen?
Zirkuläres Design bietet ganz konkrete Lösungen, die Ressourcen schonen, Abhängigkeiten reduzieren und die Resilienz erhöhen. Gerade aktuell ist dies ein entscheidender Faktor. Mit zirkulären Geschäftsmodellen können Unternehmen neue Umsatzquellen erschließen, ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und sich zukunftssicher aufstellen. Dass wir all das und noch viel mehr in nur sechs Wochen und vier Workshops mit CIRCO schaffen, zeigt, wie wertvoll die investierte Zeit ist. Die 98-prozentige Weiterempfehlungsrate der Unternehmen bestätigt uns darin.
Frau Tiedemann, vielen Dank für das Gespräch.
Asprechperson
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