Aus Abbruch wird Zukunft: Wie die Firma Gillrath mit dem "CircoBrick" den Rohstoffkreislauf schließt
© Gillrath Ziegel- und Klinkerwerk GmbH & Co. KG
Herr Gillrath, mit dem CircoBrick haben Sie ein Produkt entwickelt, das über 50 Prozent aus Ziegelabbruch besteht. Wie kam es zu der Idee und was war der entscheidende Auslöser?
Der entscheidende Auslöser war der Krieg in der Ukraine. Wir haben dabei deutlich gespürt, wie stark Rohstoffpreise durch Knappheit steigen können. Deshalb haben wir nach Alternativen zu unseren bisherigen Rohstoffen gesucht. So entstand die Idee, alte Ziegel, die beim Abbruch bislang größtenteils als Bauschutt entsorgt werden mussten, für neue Produkte zu nutzen. Neben den bereits bekannten ReUse-Ziegeln, die heute schon häufig eingesetzt werden, wollten wir eine zusätzliche Verwertungsmöglichkeit für diesen großen Stoffstrom schaffen. Mit dem CircoBrick können wir Kreisläufe schließen, Abfälle reduzieren und gleichzeitig durch Recycling und eine neue Produktion maßgeschneiderte, langlebige Produkte für unsere Kunden entwickeln.
Stichwort „Urban Mining“: Sie betrachten die Stadt als Rohstofflager. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Abbruchunternehmen konkret und welche Herausforderungen gibt es dabei?
Wir arbeiten mit einem spezialisierten Partnerunternehmen aus der Abbruchbranche zusammen, das aus Abbruchziegeln ReUse-Ziegel gewinnt. Dabei entstehen jedoch immer hohe Verluste, weil viele Ziegel beschädigt oder durch Mörtel mit anderen Materialien fest verbunden sind. Für diesen großen Anteil an Ausschuss haben wir eine Lösung gesucht – und gemeinsam mit der Fachhochschule Höhr-Grenzhausen für Glas und Keramik entsprechende Aufbereitungsverfahren und Rezepturen entwickelt. Auf diese Weise können wir das Material im CircoBrick sinnvoll einsetzen.
Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Ressourcenschonung, sondern auch Langlebigkeit. Der CircoBrick hat eine Lebensdauer von bis zu 150 Jahren. Welche Bedeutung hat diese Haltbarkeit für Ihre Kunden?
Die lange Haltbarkeit gibt unseren Kunden die Sicherheit, ein echtes Qualitätsprodukt zu erhalten, bei dem kein Wertverlust an der Fassade entsteht. Sie können sich einmalig für ein hochwertiges Produkt entscheiden – ohne Folgekosten und ohne Wartungsaufwand. Damit haben unsere Kunden ein Leben lang Ruhe bei der Fassade.
Wie ist bisher die Resonanz auf das neue Produkt?
Die ersten Projekte sind bereits umgesetzt. Besonders freuen wir uns über ein Vorhaben, das nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip realisiert werden soll – eine Feuerwache –, weil es den Gedanken des CircoBricks perfekt aufgreift. Bei jedem Projekt können wir zudem nachweisen, wie viele Primärrohstoffe wir durch den Einsatz von Recyclingmaterial aus Abbrüchen einsparen.
Für die Entwicklung des CircoBricks haben Sie die Beratung der efa genutzt und an der CIRCO-Workshopreihe teilgenommen. Welche Bedeutung hatte diese Unterstützung für den Entwicklungsprozess?
Durch die CIRCO-Reihe konnten wir Wertverluste in unserer Produktion und auf der Baustelle in verschiedenen Nutzungsphasen von Gebäuden identifizieren. Gleichzeitig haben wir ein ganz neues Bewusstsein für das Thema Zirkularität entwickelt. Wir haben verstanden, dass wir durch neue Produkte, innovatives Design und das Hinterfragen des Status quo „out of the box“ denken können – und so entscheidende Veränderungen anstoßen.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Welche nächsten Schritte planen Sie in Richtung Zirkularität und Ressourcenschonung?
Wir wollen verschiedene Themen miteinander verknüpfen: Zirkularität, serielles Bauen, leichtere Montage, Recyclingbaustoffe, den Einsatz nachwachsender Rohstoffe und die Förderung von Biodiversität. Unser Ziel ist es, diese Trends in neuen Produkten zusammenzuführen und ihnen zusätzliche Funktionen und Mehrwert zu geben. Daran arbeiten wir aktuell intensiv.
Herr Gillrath, vielen Dank für das Gespräch.